Lyrikmail #2142 De Toys

“Die vereinigte Gebetskraft zehn reiner und ergriffener Geister dringt in jenes höhere Geistesreich hinauf, das die Bedingungen der irdischen Rettung schaffen kann. Denn Wunder gibt es nicht. Was wir Wunder nennen, ist das Ergebnis der Wirksamkeit von Gesetzen, die wir noch nicht kennen.” Prentice Mulford (1834-1891): ‘DER UNENDLICHE GEIST DES GUTEN’ (1886)

Ü B E R (G) E S (TALT)
["JA(HR...-HUNDERT/-TAUSEND"-Zyklus Teil XVI]

und wenn die zeit nicht dehnbar wäre
könnten wir den gläsernen moment nicht
durch und durch genießen
wenn der unendliche engel sich von innen
sanft an unsre haut anschmiegt
und alles körperliche wie ein weißes tor
ins dunkle leuchten spürbar ist
wo nichts verloren geht
weil nichts geboren wurde
jedes molekül um alle andern tanzt
als gäbe es kein einziges kalkül
im universum wird gearbeitet
die ganze unaussprechbare materie
atmet ihre kosmischen organe
ein und aus und denkt dabei
nur daß sie in sich selber ruht
und wundert sich wie wenig mut
der mensch für diese sache übrig hat

Tom (de) Toys (*1968) alias T.ex.T., 11.10.2005, entnommen aus:
“GROßES JA(HR…”, 16-teiliger Jahrhundert/-tausend-Zyklus 1998+2005
G&GN-Verlag Berlin 2002/2011 (Vollständige erweiterte Neuauflage)

(c) G&GN-Institut / EXKLUSIV-Veröffentlichungsrecht für diesen
linksbündigen Nachdruck nur bei Lyrikmail (Email & Blog).

[Ask] [del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [MySpace] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]

Lyrikmail #2141 Busch

Was soll ich nur von eurer Liebe glauben?
Was kriecht ihr immer so in dunkle Lauben?
Wozu das ewge Flüstern und Gemunkel?
Das scheinen höchst verdächtige Geschichten.
Und selbst die besten ehelichen Pflichten,
Von allem Tun die schönste Tätigkeit,
In Tempeln von des Priesters Hand geweiht,
Ihr hüllt sie in ein schuldbewußtes Dunkel.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Und die Moral von der Geschicht: Sämtliche Werke I Und die Moral von der Geschicht – Sämtliche Werke II Was beliebt ist auch erlaubt – Sämtliche … der geschicht. Was beliebt ist auch erlaubt

[Ask] [del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [MySpace] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]

Lyrikmail #2140 Fallersleben

Laß das Kätzchen in Ruh!

Franz, sag’ ich, laß das Kätzchen in Ruh!
Es wird dich kratzen.
Laß dich doch nicht warnen immerzu!
Falsch sind die Katzen.

Sie können schnurren und zärtlich sein,
Sich schmiegen und schmeicheln,
Sie tätzeln und ziehen die Krallen ein
Und lassen sich streicheln.

Doch ändern sich auch oft geschwind
Die freundlichsten Katzen,
Denn Katzen nun einmal Katzen sind
Und müssen kratzen.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

[Ask] [del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [MySpace] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]

Lyrikmail #2139 Tran

Reduktion I

Die Lösung von allem

ist warten. den Punkt halten
der die Waage im Gleichgewicht hält
und ich füge hinzu, ich

versichere: es ist ein sanftes Schweben
oder hängen über dem Boden
Zustand Null, Aufzeichnungsgeräte
die Digitalkamera filmt

genau so, und nicht anders, filmt genau das
und nichts anderes sonst

und doch ist es Leid, Ungerechtigkeit
Wunsch. nur diesmal kleiner, irgendwie fester

wie Spielfiguren oder Miniaturlandschaften
aus Kunststoff, bedeutungslos
unpersönlich, unecht.

Thien Tran (*1979)

Die Reihe clicktriebe wird von Tom Bresemann für die lyrikmail herausgegeben, erscheint einmal wöchentlich und präsentiert junge, deutschsprachige und internationale Autor_innen. Tom Bresemann ist Schriftsteller (Gedichtband: Makellos, Berlin 2007, zuletzt Jahrbuch der Lyrik 2009, Lyrik von Jetzt zwei, NEUBUCH, Covering Onetti) und Veranstalter (für die S³ LiteraturWerke, die Lettrétage, die schaubühne am Lehniner PLatz u.a.).

[Ask] [del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [MySpace] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]

Lyrikmail #2138 Platen

Da, wie fast ich muß vermuten, deine Liebe lau
geworden,
Fürcht ich, daß die braune Scheitel über Nacht mir
grau geworden!
Geizest du mit Augenblicken, die mir mehr als dir
gehören?
Bist du, lieblicher Verschwender, plötzlich so genau
geworden?
Haben deiner Treue Rosen sich als Dorn den Stolz
erlesen?
Sind der Liebesgöttin Tauben wie der Juno Pfau
geworden?
Wenn dich Weiber mir gestohlen, werden sie so lang
dich fesseln,
Bis der Tempel deiner Glieder ein zerstörter Bau
geworden.
Oder willst du bloß mich locken, den du längst im
Netz gefangen,
O so lohnt sich’s nicht der Mühe, daß du kalt und
schlau geworden!

August von Platen (1796-1835)

Wer die Schönheit angeschaut mit Augen …: Ein Lesebuch

[Ask] [del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [MySpace] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]

Nächste Seite →

WordPress Loves AJAX